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                             Blessing from "HeWhoKnows" Lakota Elder
                                                born in a Tipi 29.08.1928
                                                  aho mitakuye o´yasin
                                                EagleHorse (20.01.2013)

Video HeWhoKnows

Video Lakota He Who Knows 2008 BUFFALO TOUR FOR Pine Ridge Indian Reservation

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„Dies wissen wir: Alle Dinge hängen zusammen wie das Blut,
das eine Familie verbindet. Alle Dinge hängen zusammen.
Was der Erde zustößt, stößt den Söhnen der Erde zu.
Der Mensch hat das Gespinst des Lebens nicht gewoben.
Er ist nur ein Faden darin.
Was er dem Gespinst antut, tut er sich selbst an.“
(Häuptling Seattle; nach Walsh, 2000, S. 309)
*

Wenn religiöse Rituale durchgeführt werden, so gelten diese in erster Linie der
Aufrechterhaltung bzw. der Wiederherstellung des Gleichgewichts,
d. h. der Harmonie in der Welt.
Nach indianischem Verständnis ist das Gleichgewicht auf der Erde momentan
extrem gestört: die Umwelt wird zerstört, Tiere und Pflanzen missbraucht und
Menschen werden in vielen Teilen der Welt unterdrückt.
Ihrer Meinung nach kann nur eine Rückbesinnung auf
spirituelle Werte das Überleben der Menschheit sichern:
„Wir müssen verstehen, daß die Erde uns vernichten wird,
bevor wir sie vernichten. Die Erde ist sehr mächtig.“
(Pazzogna, 1998, S.36)
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„Wir brauchen eure Kirche nicht. Wir haben die Black Hills als Kirche.
Und wir brauchen eure Bibel nicht.
Wir haben den Wind und den Regen und die Sterne als Bibel.
Die Welt ist eine offene Bibel für uns.
Wir beschäftigen uns seit Millionen von Jahren intensiv mit ihr.“
(Noble Red Man; Arden, 2001, S.33)
*
Noble Red Man, einer der letzten großen Häuptlinge und „Seher“ der Lakota,
sagt dazu:
„Man kann Wakan Tanka nennen, wie man möchte.
In der Sprache der Weißen nenne ich ihn Gott oder Großer Geist.
Er ist das Große Mysterium, das Große Geheimnis.
Das ist es, was Wakan Tanka wirklich bedeutet: das Große Geheimnis.
Man kann ihn nicht definieren. Er ist eigentlich kein „Er“ und keine „Sie“.
Wir müssen diese Worte verwenden, weil wir nicht einfach „Es“ sagen können.
Gott ist nie ein „Es“.
Also nennt Wakan Tanka, wie ihr wollt.
Aber vergesst nie, ihn anzusprechen.
Er möchte mit euch reden.“
(Arden, 2001, S.22f.)

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Lakota-Spiritualität von Martina Looking Horse

Eine Nation immer noch im Belagerungszustand

Als UnterstützerInnen stoßen wir immer wieder auf Leute, die stolz darüber berichten,
daß sie an einem Sweat-Lodge-Wochenende mit anschließenden Tiefenpsycho
Seminar eines großen Medizinmannes teilgenommen und dabei unglaublich viel
erfahren haben. Daß sie plötzlich ihr Leben ganz anders sehen und nun als
indianischer Bruder alle Geheimnisse der schamanischen Kunst erlernen wollen und
sich bereits für das Folgeseminar in einigen Wochen angemeldet haben und
die 680,- DM Kursgebühr überwiesen haben.
Es erfordert dann viel Geduld und Feingefühl, demjenigen/derjenigen klar zu machen,
daß sie wohl auf einen »Plastik-Medizinmann« hereingefallen ist,
der die Spiritualität der Ureinwohner Amerikas schamlos ausbeutet,
um sich selbst daran zu bereichern.

Wer sich in die Fänge dieser Leute begibt, verliert neben viel Geld oft auch den
realistischen Blick auf die wirkliche Situation der Indianer in den USA sowie den
Respekt vor deren tatsächlichen Religion.
Denn das, was in den besagten Seminaren dargeboten wird,
ist oft ein Sammelsurium aus verschiedenen ethnischen Ritualen.

Wir baten den Lakota Medizinmann Arvol Looking Horse,
der auch Hüter der heiligen Pfeife in Green Grass in South Dakota ist,
um einen Kommentar zu diesem Thema.
Er schickte uns den folgenden Artikel seiner Schwester Martina.
Wir meinen, klarer und deutlicher als aus der Sicht einer traditionellen
indianischen Familie von Medizinleuten könnte die Stellungnahme nicht sein.

Lange bevor der Weiße Mann - in Lakota Wasicu (etwa: der das Fett abschöpft) - kam,
gab es seit Jahrhunderten, vielleicht seit Jahrtausenden eine wundervolle Kultur auf
dem Land, das wir »Turtle Island« nennen.
Die Lakota lebten in Harmonie mit der Natur und liebten ihre Freiheit.
Alles, was sie zum Überleben brauchten, waren Büffel.
Um der Mutter Erde Respekt zu erweisen, nahmen nie mehr als sie brauchten,
ohne das Land auszubeuten.
Dies wurde Wolakota genannt - der Weg des Friedens und der Freundschaft.

Dann kam der Weiße Mann, gierig nach dem Land und seinen Schätzen.
Die Natives standen ihm im Weg.
Die Wasicu haben den Lakota viel von ihrer traditionellen Lebensweise genommen.
Unsere Spiritualität macht ganz wesentlich die Vollständigkeit unserer Identität aus.
Die Wasicu begriffen, daß wir eine andere Spiritualität hatten,
als sie und begannen diese zu unterdrücken, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren.
Ende des letzten Jahrhunderts verboten sie viele spirituelle Zeremonien,
darunter den Geistertanz.
Von dieser Zeit an wurden viele Natives verfolgt und bestraft,
wenn sie ihre traditionelle Religion praktizierten.

Erst als 1978 der Native American Religious Freedom Act ins Leben gerufen wurde,
waren wir in der Lage, unsere Religion ungehindert auszuüben.
Bis heute kämpfen Native Americans für ihre religiösen Rechte, wie z.B. für das Recht,
Adlerfedern zu benützen, heilige Plätze zu schützen und die
Ausbeutung der traditionellen Rituale zu stoppen,
die während der dunklen Jahre so sorgsam gehütet wurden.

Heute wird unsere Religion gekauft und verkauft von den Wasicu.
Dinge, die für uns heilig sind, können in jedem Laden erworben werden.
Erneut bereichern sich die Wasicu an den Lakota und schlagen Profit aus Dingen,
die ihnen nicht gehören.
Wir Lakota haben es schwer genug, unsere Spiritualität leben und praktizieren zu können.
Wir wollen unsere Großväter und -mütter nicht beleidigen,
die so hart dafür gekämpft haben, daß wir in diesem Geiste leben können - mit
Wakan Tanka, der in uns allen lebt.
Sie haben uns gelehrt, in Zeiten der Not zu leben und bewußt mit der
großen Kraft des Gebetes umzugehen.

»A Wannabe will claim to have experienced many visions.
I think these people are just hallucinating.«

Heute verspottet der Weiße Mann in seiner Ignoranz unsere Zeremonien und will ein
Heiliger Mann, ein Medizinmann werden.
Sie haben sogar ihre eigenen pathetischen Zeremonien entwickelt,
obwohl sie noch nicht mal unsere Sprache sprechen.
Wir nennen diese Leute »Wannabes« (»Möchtegerns«),
auch bekannt als New Age Kristall-Gaffer, Propheten des Profits,
Plastik-Medizinmänner, Plastik-Schamanen und viele andere Namen,
die ich hier an dieser Stelle nicht zu nennen wage.

Diese Leute nehmen eine Zeremonie, die sie überhaupt nicht richtig verstehen und
verkaufen sie an eine arme, suchende Seele für jeden Preis, den sie nur kriegen
können. Einige wollen unseren Alten Wissen über die traditionelle Medizin entlocken
oder sogar Visionen suchen.
Diese Leute werden Euch auf einen Berg schicken, so daß Ihr eine eigene Vision
suchen könnt - für vielleicht 1500 Dollar und das ist sogar noch billig!

Sie bieten Seminare und spirituelle Workshops an, um Eure Seele zu erhellen,
natürlich alles nur für einen stolzen Preis.
Ganz zu schweigen von den vielen Katalogen, in denen man alle spirituellen Gegenstände kaufen kann, die man nur haben will.
Inzwischen ist es für die Lakota ein lebenslanger Kampf, richtig mit unserer
Spiritualität umzugehen und auf die rechte Zeit zu warten,
um als Pfeifenträger erwählt zu werden oder uns reif genug dafür zu fühlen,
auf einen Berg zu gehen, um eine Vision zu suchen oder den Sonnentanz zu tanzen.

Manchmal braucht es Jahre, und viele Leute erfahren ihre erste Vision erst in der
Lebensmitte oder vielleicht gar nicht.
Aber wir sind zumindest demütig, wenn wir vom Berg kommen und
keine Vision hatten.

Ein »Wannabe« dagegen will auf Anhieb viele Visionen haben.
Ich denke, daß diese Leute unter Halluzinationen leiden.

Die heilige Pfeife wurde meinen Leuten vor mehr als 2000 Jahren von einer Frau,
die vom Großen Geist geschickt wurde, gegeben.
Sie gab uns auch unsere Riten und ermahnte uns zum Respekt gegenüber der Natur.
Dies ist das Fundament, das wir die Cunumba oder auch Red Road nennen.
Wir beten mit der Pfeife; unsere Alten nennen das »ein Gebet rauchen«,
weil wir die Cunumba nach dem Gebet rauchen, um den großen Großvater,
der uns alles Leben gab, zu ehren.

Nicht jeder kann Pfeifenträger werden und Frauen dürfen während der Menstruation
keine Pfeifenträgerinnen sein. Wie traurig, daß wirklich jeder New Ager glaubt,
so ohne weiteres Pfeifenträger werden zu können.
Irgendwie ist unsere Religion zu einer modischen Marotte verkommen.
Kristalle sind auch so eine Sache.
Medizinmänner unseres Stammes wurden als Kinder auserwählt und es wurde ihnen
während ihres ganzen Lebens kontinuierlich beigebracht,
wie sie anderen mit ihrer Spiritualität helfen können.

Und diese Wannabes lernen ein bißchen über unsere Spiritualität und -
erstaunlicherweise sind sie ein Jahr später Medizinmänner und Schamanen.
Selbsternannte wie ich hinzufügen sollte.
Einige von ihnen betonen, daß sie Schüler eines bekannten Medizinmannes oder
Schamanen waren.
Ich wußte auch nichts davon, daß Medizinmänner unterschiedlich viel Kraft haben - bis
ich das Gerede von einigen New Agern mit anhörte.
Und ich wuchs in einer Umgebung auf, die als traditionell beschrieben wird.
Wenn wir uns auf eine Zeremonie vorbereiteten, um ernsthaft für eine Sache zu beten,
dann haben wir Tabaksbeutel und Fahnen als Gebetsgaben gefertigt.
Sogar diese Dinge werden heute in New Age Läden zum Verkauf angeboten.
Viele weiße Frauen kommen zu unseren Reinigungszeremonien (Sweat Lodge),
jedoch ohne sich vorher genau informiert zu haben.

Anstatt zu lernen, zu fragen, kommen sie einfach und ziehen all ihre Kleidung aus,
ohne zu wissen, daß unsere Frauen ihre Körper von der Schulter abwärts bedecken
sollen.
Pipestone, Minnesota, ist der einzige Ort, wo meine Leute Pipestone bekommen,
um ihre Cunumbas zu machen.
Der Weiße Mann hat nun auch daraus ein Geschäft gemacht.
Die Black Hills sind heilig für uns und gleichzeitig Mittelpunkt unseres heutigen
Landrechtskampfes. Für den Weißen Mann sind sie eine Touristenattraktion,
die viele Millionen Dollar bringt.
Sie beuten die Lakota Kultur und Geschichte aus für ihren Profit.
[Anmerkung hierzu: »Der mit dem Wolf tanzt«
Star Kevin Costner hat bereits mit dem Bau eines Hotelkomplexes in den Black Hills begonnen, s. Coyote 3/95. Er verweigert die Zusammenarbeit mit den Lakota,
die wenigstens die heiligen Plätze vor seinen Bauarbeiten schützen wollen.]

Salbei, Süßgras und Zeder, was bei uns wild wächst,
wird von den Weißen einfach ohne uns zu fragen gepflückt und in Läden zu hohen
Preisen verkauft.
Ganz zu schweigen von den Lederoutfits und den traditionellen Tanzgewändern,
die kaum ein Lakota tragen kann, weil er sie nicht bezahlen kann.
Diese Wasicu nehmen alles, was uns lieb und teuer ist und verkaufen es,
beuten es aus und mißbrauchen es!
Allerdings haben sie niemals etwas getan, das uns das Leben leichter machen würde.

Wir leben auf Reservationen, die sie für uns errichtet haben,
von ihren Wohlfahrtsgeldern und Regierungsalmosen.
Wir können kaum überleben und wir hoffen jeden Tag, daß der Weiße Mann sich
ändern wird und seine Verträge, die er mit uns geschlossen hat, respektieren sowie seine Versprechen endlich einhält und uns entschädigt für all unsere Opfer,
unser Land und unsere Bodenschätze.
Aber Gerechtigkeit ist nirgendwo in Sicht und die Dinge entwickeln sich immer nur zum Schlechteren für uns.


»These Wasicu take everything we hold sacred and dear,
and sell it, exploit or abuse it.«

Klar, wir sind wütend und wir würden uns liebend gern viel mehr zur Wehr setzen,
aber wir leben unter einem Gesetz, das denjenigen schützt, der es geschaffen hat.
Wir wollen zivilisiert sein und die Dinge mit dem Rechtssystem bekämpfen,
das uns immer unterdrückt hat.
Diese Wasicu haben die Unverfrorenheit zu glauben, sie würden bessere Indianer aus
uns machen, als wir dies könnten.
Wer sind sie, daß sie denken, sie können unsere spirituellen Zeremonien nehmen und
Profit daraus schlagen.
Wir hatten nie Missionare und wir sind nie in die Kirche gerannt.
Diese New Ager leben in ihren chicen Häusern, fahren große Autos,
tragen schöne Kleider und betreiben das Hobby, Indianer zu spielen -
so lange bis es sie langweilt.

Wenn sie eine Verbindung mit den Lakota wollten, dann würden sie an den
US-Kongreß oder amnesty international schreiben und um Hilfe für die Lakota bitten,
die ausgebeutet, unterdrückt und zerstört werden.
Denn wir Lakota leben zehnmal (!) unter der festgelegten Armutsgrenze und haben
zweitklassige Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.
Wir haben hohe Selbstmordraten, eine hohe Kindersterblichkeit, Arbeitslosigkeit,
Alkoholismus und korrupte Regierungsbüros.
Nichts als schreckliche Dinge geschehen uns kontinuierlich durch den Weißen Mann.
Es ist wirklich schwer, Unterstützung für unseren alltäglichen Kampf ums Überleben
zu finden, weil all diese mystischen Angeber unsere Aufmerksamkeit von allen
wichtigen Dingen ablenken.

Die Wasicu, die Wannabes sind eine Bedrohung für unsere Nation.
Der Genozid ist noch nicht beendet. [...]
Laßt unsere Religion in Ruhe. Wir glauben, daß man Gott nicht kaufen kann.
Unsere Religion ist nicht zu verkaufen.
Unser Land, unsere Kultur, unsere Religion und Sprache machen uns zu einer souveränen Nation, zu dem, was uns unsere Identität gibt.
Ohne sie wären wir heimatlos.
Unsere Religion ist heilig und unsere Zeremonien sind heilig.

Der Weiße Mann hat nicht korrigiert, was er falsch gemacht hat an meinen Leuten.
Natürlich brauchen wir Hilfe und Unterstützung,
um unser Land zurückzubekommen und um Freiheit und Gerechtigkeit zu erreichen.
Der Weiße Mann sollte diese Hilfe freiwillig geben,
nur dann können wir alle in Balance und Harmonie auf dem Cunka Luta leben.

„Ich bin ein Adler,
die kleine Welt lacht über meine Taten.
Aber der große Himmel behält meine Gedanken der Unsterblichkeit für sich .“
(Taos Pueblo )